Musik & Unterhaltung

Schreib mal wieder Musik…

Im Englischen sind es die Singer/Songwriter, die sogar eine eigene Szene gebildet haben, in Deutschland sprach man noch in den Siebziger Jahren von den “Liedermachern”. Anders als die Komponisten befassen sich diese Künstler nicht nur mit der Melodie und den Noten, Ihnen geht es vielmehr um die sprachliche Melodie.
So ist auch der Text oftmals der “Vater des Gedankens”. Aus einer Stimmung heraus entstanden, vielleicht auch nur als Bruchstück, dank seines Tonfalls aufgeschnappt, entscheidet der gesprochene Klang schon über die gesungene Zeile. Es geht hier nicht um den Reim, oft lange gesucht, mit Hilfe vom Lexikon oder sogar des Online-Lexikons. Es ist die Lyrik, die den Musikschreiber inspiriert.
Gerade aus den oben schon genannten siebziger Jahren kennt man so erfolgreiche Künstler dieses Genres, wie Reinhard Mey, der sicher ein besonders prägnantes Beispiel für den Musikschreiber an sich ist.
Durch seine ingeniöse Art, Gedanken in Geschichten zu wandeln, ganze Essays in Liedform zu bringen, gepaart mit virtuosem Gitarrenspiel, ist er nicht nur ein Vorreiter, der Generationen erfreut hat.
Seine Texte lassen sogar Assoziationen zu den heutigen Rappern zu, die einen völlig anderen Weg gehen, Text und Musik nur rhythmisch aneinander angleichen und die Aussage vorne an stellen.
Immerhin ist es ihm gelungen, auch in Frankreich, teilweise dort sogar im besonderen Maße, Beachtung und Achtung zu finden. Dank seiner Sprachkenntnisse und seinem untrüglichen Gefühl für die Sprachmelodie.

Der Musikschreiber der Vergangenheit ist der Barde - nein, nicht der lustige Geselle, der am Ende jeder Asterix-Folge gefesselt unter dem Baum liegt - sondern der Höfling, engagiert von seinen adligen Herrschaften, um für deren Belustigung und musikalische Unterhaltung zu sorgen.
Er hatte - ähnlich dem Hofnarren - eine gewisse dichterische Freiheit, konnte so - in gesungener Form - auf Mißstände aufmerksam machen, seinem Herrn den Spiegel vorhalten.
Gute Musikschreiber sind heute wie damals rar, befragen wir ein Online Lexikon, so werden nur wenige Namen genannt, die auch der breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Populär werden in der heutigen Zeit doch eher die Interpreten, glamouröse Kunstfiguren, Popstars.
Aber jeder Fan der guten Musik weiß, dass auch hinter dem bekanntesten Interpreten eben jene Leute stehen müssen, die die Substanz liefern. Schöne Melodien, eingängige Texte und harmonische Meisterwerke.

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