Die menschliche Natur und der Garten
Ein Plädoyer gegen die Kleingartenspartenmanier
Der Urbegriff des Paradieses, der Garten Eden, war nicht nur eine Symphonie von Harmonie und Ästhetik, er ist auch ein Symbol für die Verbundenheit des Menschen mit der Natur in den Grenzen des Gartenzauns. Denn so hübsch und erholsam, so nett und heimelig ein Garten auch ist, so sehr ist er doch nur Ausdruck einer ungeheuerlichen menschlichen Hybris an der Natur. Wir wollen auch hier alles beherrschen, alles in überschaubare kleine Portionen packen, die ganz unseren Wünschen genügen. Nichts ist dem Zufall überlassen, Nichts ist mehr wirklich natürlich. Dadurch, dass wir genau abgezirkelte Bereiche mit den Pflanzen unserer Wahl bestücken, indem wir Schädlinge bekämpfen und „Unkraut“ jäten erntfernen wir uns unmerklich immer mehr von unserem Ursprung, Mutter Natur wird zu einer entfernten Verwandten. Der Garten repräsentiert unseren Status, wir kaufen unser Ansehen, unsere Sozialisation, unser ganzes Verhältnis zur Natur im Gartencenter. Wir verschandeln die Schönheit der Pflanzen mit Gartenzwergen und Zierteichen. Es ist ein Jammer mit anzusehen, dass Eltern für ihre Kinder eine Parzelle Land annektieren, und ihnen so Natur vorgaukeln, während um die Städte herum die wirkliche Natur immer noch ein Refugium hat. Was Wunder, dass Kinder aus diesen Verhältnissen heraus Kühe für Lila halten. Wäre es denn wirklich so schwer, sich wieder auf nicht ausgetretene Pfade zu bewegen, einmal einen Waldspaziergang zu machen, statt sich faul und bequem im Gartenstuhl zu lümmeln, und die karikierte Schöpfung zu betrachten gleich einem Diktator der die Trümmer seines unrechtmäßig annektierten Reiches betrachtet?
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