Alte Autos – Die Marke Delahaye
Der Autohersteller Delahaye
Die 1894 von Emile Delahaye gegründete Marke zählte zu den größten Namen, die Frankreich im Autowesen aufzuweisen hatte. Kenner führen sie nach Bugatti und Hispano-Suiza neben Talbot auf. Nach dem Krieg rangierten Delahaye und Talbot noch lange Zeit an der Spitze der französischen Luxuswagenproduktion, wobei zu Delahaye auch Delage gehörte. Während des Zweiten Weltkrieges waren Delahaye und Delage der G. F. A. (Groupe Francais de l’Automobile) angeschlossen worden, jener Verkaufsorganisation des Baron Petiet, zu der vorübergehend auch Simca gehörte. Die Nachkriegs-Delahaye trugen daher neben ihrem Markenzeichen am Kühler die Initialen GFA, auch noch nach der 1952 erfolgten Auflösung dieser Organisation.
Diese Buchstabengruppe hilft heute noch, Vor- und Nachkriegsmodelle äußerlich zu unterscheiden, denn die Marke Delahaye nahm Mitte 1946 die Produktion der schon in den dreißiger Jahren bekannten Modelle wieder auf. Es waren ein 4-Zylinder-Modell mit 2,2 Liter Hubraum und ein Sechszylinder mit 3,6 Liter Inhalt und für damalige Zeiten super breiten Reifen. Beide Motoren hatten obenhängende Ventile und waren in einem normalen Chassisrahmen untergebracht, der für den Aufbau luxuriöser Spezialkarosserien geeignet war. Vorn hatten diese Wagen Einzelradaufhängung mit Querlenkern und Querfeder sowie Längsschublenkern, die starre Hinterachse war an Halbelliptikfedern abgestützt. Auf Wunsch wurde anstatt des normalen 4-Gang-Getriebes ein elektromagnetisches Cotal-Getriebe eingebaut. Das 135 M genannte 6-Zylinder-Modell gab es auch in 3-Vergaser-Ausführung Competi-tion (Wettbewerb) mit 110 und, als MS, mit 130 statt 95 PS. Mit dem 31/2-Liter-6-Zylin-der-Motor war auch der Typ 148 ausgerüstet, der mit zwei verschiedenen Radständen geliefert wurde. Im übrigen hatten die normalen Limousinenausführungen des 4-Zylinder-Typs 134 gleichfalls Werkskarosserien.
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«175»
Schon 1947 wurde der kleine Delahaye 134 aufgegeben und statt dessen für 1948 das Angebot mit einem 4,5-Liter-Sechszylinder «175» nach oben erweitert. Er besaß eine gänzlich neue Aufhängung mit vorderen Längslenkern und nach System Dubonnet in schwenkbaren Gehäusen untergebrachten Schraubenfedern mit hydraulischen Stoßdämpfern sowie einer zweigelenkigen Hinterachse mit Längslenkern (schwingende Antriebs- und starre Tragachsen nach System De Dion mit Halbelliptikfedern). Der Delahaye 175 hatte überdies hydraulische Bremsen, und sein Cotal-4-Gang-Getriebe war mit einer Zweiplatten-Trockenkupplung kombiniert. Die Typen 178 und 180 waren 175-Versio-nen mit längeren Radständen und 130 statt 140 PS Leistung. Zu den Karossiers der Delahaye jener Zeit zählten Henri Chapron - er sollte als französischer Spezialkarossier am längsten überleben - Guillore, Figoni & Falaschi, Secheron, Langenthal, Graber, Pennock, Letourneur & Marchand sowie Saoutchik. Von dem großen Pariser Autostilisten russischer Herkunft Saoutchik stammte ein auf dem Delahaye 175 aufgebautes Coupe de Ville, das beim Pariser Salon im Oktober 1949 vorgestellt wurde. Es hatte einen zurückschiebbaren Dachvorderteil und fiel durch seine extravagante Stromlinienform auf, in der sich typische Stilelemente jener Zeit verbanden. Dieses Auto steht heute im Harrah-Museum in Reno (USA).
Zwar vermochte Delahaye nicht mehr an die mit den V-12-Modellen der Vorkriegszeit erzielten Rennerfolge anzuknüpfen, doch wurden auch noch mit dem 4,5-Liter-Sechszylinder einige ehrenvolle Resultate erkämpft und beim Grand Prix des Automobile Club de France von 1949 in Comminges sogar ein Sieg herausgefahren. 1951 sollte noch der erste Gesamtrang beim Monte-Carlo-Rallye hinzukommen ….
Inzwischen hatte man bei Delahaye ein Geländefahrzeug entwickelt, den VLR 1 (Voiture legere de reconnaissance). Er war ein Gegenstück zum Jeep und zum Land-Rover und bot wie dieser 4-Rad-Antrieb. Dabei war der Vorderradantrieb ausschaltbar und zugleich auch eine Differentialsperre vorn und hinten einschaltbar. Das 4-Gang-Getriebe war mit einer zweistufigen Untersetzung verbunden, so dass acht Vorwärtsgänge zur Verfügung standen. Für den Antrieb von Außenaggregaten waren zwei Zapfwellen vorhanden. Der VLR hatte ringsum unabhängig aufgehängte Räder, und für seinen Antrieb sorgte ein neuentwickelter 4-Zylinder-Motor von 2 Liter Inhalt. Das Kastenträgerchassis trug eine offene Zweckkarosserie im üblichen Jeep-Stil, wobei lediglich das oben abgerundete Kühlergitter besonders auffiel. Der Delahaye-Geländewagen wurde hauptsächlich für die französische Armee gebaut.
«235»
Im Herbst 1951 wurde der wenig erfolgreiche Typ 175 mit 4V2-Liter-Motor durch das Modell 235 abgelöst. Es war eine Weiterentwicklung des bekannten Delahaye 135 mit vorderer Querblattfeder und hinterer Starrachse. Sein Kastenrahmenchassis war jedoch tiefer gelegt und gleichzeitig abgemagert und verstärkt. Dank überarbeitetem Zylinderkopf und drei Solex-Fallstromvergasern kam sein 3,6-Liter-Motor auf gut 150 PS, womit den Delahaye-Kunden weiterhin ein Hochleistungsfahrzeug zur Verfügung stand. Markant war sein unklassisches Kühlergesicht in Form eines wuchtigen liegenden Ovals mit horizontalen Chromsparren. Von Faget-Varnet wurde er mit einer strömungsgünstigen, völlig glattflächigen Coupekarosserie mit vollverschalten Hinterrädern eingekleidet. Weitere Aufbauvarianten wurden von Motta/Charbonneaux, Henri Chapron und Beutler in Thun kreiert, während hauptsächlich Saoutchik weiterhin für originelle Delahaye 135 mit dem markentypischen schmalen hohen Kühlergrill sorgte. - Doch der Delahaye-Absatz, der in den Nachkriegsjahren meist bloß einige hundert Exemplare betrug, war 1951 auf unter 100 Stück gesunken. 1954 wurde auf dem Genfer Salon zwar noch ein Delahaye 235 mit Chapron-Karosserie ausgestellt, doch im gleichen Jahr ging die Marke samt Delage-Zweig an die Hotchkiss-Gruppe, wo sie noch kurze Zeit für die Nutzfahrzeugherstellung beibehalten wurde. 1956 war der Untergang dieser großen französischen Marke endgültig besiegelt.
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